Suche

Rückblick: NEFI Technology Talk „Wirtschaftlich nutzbare Flexibilitäten in der Industrie – Low Hanging Fruits?“

Kategorie:
  • News
von Oxana Schmidt

Am 17. April 2024 fanden sich am Lehrstuhl für Energieverbundtechnik der Montanuniversität Leoben 23 Besucher*innen ein, um gemeinsam die Flexibilisierung des industriellen Energieverbrauchs im zukünftigen erneuerbaren Energiesystem zu diskutieren.

Datenbasiertes Prozessverständnis als Grundlage

Der Gastgeber Prof. Dr. Thomas Kienberger (Leiter des Innovationslabors NEFI_LAB & des Lehrstuhls für Energieverbundtechnik an der Montanuniversität Leoben) bot in seiner Keynote einen Überblick über die Schlüsselelemente auf dem Weg zu einer klimaneutralen Industrie, welche im Rahmen des NEFI-Programms abgedeckt werden. Als Schlüssel zur Steuerbarkeit stellte er Projektergebnisse aus dem NEFI-Projekt „DSM_OPT“ zum Thema „Vorhersagemethoden für den industriellem Energieverbrauch“ vor. Mithilfe eines datenzentrierten Verständnisses des industriellen Energieverbrauchs lässt sich dieser auch den zukünftigen, erneuerbar und volatil gespeisten Netzen anpassen.

 

Energiekostenoptimierung im Zielsystem der Produktionsplanung und -steuerung

Markus Gölles, Area-Manager bei BEST Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH, ging in seinem Impulsvortrag „Wie flexibel ist die Industrie überhaupt?“ auf die zunehmende wirtschaftliche Relevanz von Energiekostenoptimierung in der Produktionsplanung und -steuerung ein. Vorgestellt wurde das Projekt „FLEXcheck“ in welchem dazu ein zeiteffizient anwendbarer Leitfaden zur Bewertung von industriellen Flexibilitätspotentialen entwickelt wird.

 

Der Wert von Flexibilität in verschiedenen Energiemärkten

Regina Hemm, Industry4Redispatch Expertin und Research Engineer bei AIT Austrian Institute of Technology GmbH, ging in ihrem Impulsvortrag „Was ist Energieflexibilität wert?“ auf die verschiedenen Verwertungsmöglichkeiten von energietechnischer Flexibilität ein. Neben dem kontinuierlichen bilanziellen Ausgleich der Stromversorgung wird dabei auch der örtliche Ausgleich zunehmend relevanter, um regionale Netzüberlastungen zu vermeiden. Neben dem Netzausbau wird daher auch die ortsabhängige Regelbarkeit von Bedarf und Einspeisung, genannt „Redispatch“, immer wichtiger. Dieses auch für die Gesetzgebung sehr aktuelle Thema wurde im Rahmen des Projektes „Industry4Redispatch“ untersucht und dessen Ergebnisse vorgestellt.

 

Umsetzung im virtuellen Kraftwerk

Alexander Kofink, Geschäftsführer der CyberGrid GmbH, gab den Impuls zu „Monetarisierung der Flexibilität an den Energiemärkten“. Dabei wurde der Bogen von der Einbindung energietechnischer Flexibilitäten in ein virtuelles Kraftwerk bis zur Monetarisierung an Regelenergiemärkten gespannt. Es wurde klar, dass Regelenergie erst der Einstieg in das Thema Energieflexibilität ist, und die Spotmärkte sowie das Thema Redispatch die nächsten großen Verwertungschancen bieten.

 

Diskussion und Ausblick

Im Rahmen eines World Café wurden die Hindernisse und Chancen der Flexibilisierung diskutiert. Folgende Punkte wurden dabei klar:

  • Datenbasiertes Verständnis der industriellen Prozesse ist ein Schlüsselelement, um Flexibilität zu verstehen und auch nutzen zu können
  • Es gibt vielfältige Chancen auf den Energiemärkten, die sich stetig im Wandel befinden
  • Die Industrie braucht niederschwellige Zugang, um individuell realisierbare Flexibilitätspotentiale aufzeigen zu können

Zur Beantwortung der offenen Fragen wurde abschließend von Kerstin Pfleger-Schopf ein Ausblick auf die NEFI Aktivitäten im Themenbereich Flexibilisierung gegeben. Im neuen Innovationslabor NEFI+ der FTI Initiative für die Transformation der Industrie wird der Themenbereich bei der Entwicklung von Demonstrationsprojekten verstärkt eingebunden werden, um die Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität zu unterstützen.