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Projekt Heat Highway: Erfolge im überregionalen Wärmetransport zur Dekarbonisierung

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von Oxana Schmidt

Das Projekt Heat Highway, das zwischen März 2021 und August 2024 durchgeführt wurde, hat bedeutende Meilensteine bei der Weiterentwicklung der Nutzung industrieller Abwärme für Fernwärmesysteme erreicht und stellt damit einen entscheidenden Schritt in Österreichs Übergang zu einer resilienten und effizienten Energiezukunft dar. Das vom Klima- und Energiefonds sowie vom Land Oberösterreich kofinanzierte und von der FFG abgewickelte Projekt vereinte 17 Projektpartner, um innovative Lösungen für überregionale Fernwärmenetze (Supra-Regional District Heating Networks, SRDHN) zu entwickeln.

Zentrales Ziel von Heat Highway war die Untersuchung des Potenzials zur Integration industrieller Abwärme in großskalige Fernwärmenetze. Durch die Schaffung von Verbindungen zwischen mehreren Regionen sollte die Nutzung industrieller Abwärme ausgeweitet werden, die insbesondere in den Sommermonaten häufig ungenutzt bleibt, wenn sie den lokalen Wärmebedarf übersteigt. Dieser Herausforderung wird durch den Aufbau von Wärmetransportnetzen begegnet, die Abwärme über größere Distanzen verteilen und unterschiedliche Wärmequellen, Industriestandorte und Verbraucher miteinander verbinden, um eine resiliente und kosteneffiziente Energieversorgung sicherzustellen.

Zentrale Ergebnisse

1. Überregionale Fernwärmenetze

Das Projekt Heat Highway hat wesentliche Fortschritte bei der Entwicklung überregionaler Fernwärmenetze erzielt und damit eine bestehende Marktlücke adressiert. Durch die Untersuchung der Machbarkeit einer Anbindung industrieller Abwärmequellen an Fernwärmenetze über Regionsgrenzen hinweg wurde das Konzept von Netzen weiterentwickelt, die potenziell Distanzen von bis zu 150 km abdecken können.

2. Integration industrieller Abwärme

Das Projekt zeigte auf, wie industrielle Abwärme aus großskaligen Produktionsanlagen und industriellen Prozessen erfolgreich in Fernwärmesysteme integriert werden kann und damit einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung der Energieversorgung leistet. Ein zentrales Ergebnis war die Analyse und Planung von drei überregionalen Fernwärmenetzen in Oberösterreich und der Steiermark, mit Schwerpunkten u. a. in der Region Linz sowie im Mur-Mürztal.

3. Innovative Technologien

Ein wesentlicher Projekterfolg war die Entwicklung fortschrittlicher Werkzeuge zur Analyse von Strömungsdynamiken in Wärmenetzen sowie zur Bewertung der ökonomischen Integrationsaspekte. Der Heat Highway-Prototypdemonstrator, der im Ars Electronica Center in Linz präsentiert wurde, veranschaulicht die im Projekt entwickelten innovativen Lösungsansätze.

4. Politische und rechtliche Rahmenbedingungen

Das Projekt Heat Highway setzte sich zudem intensiv mit regulatorischen und rechtlichen Fragestellungen der Abwärmenutzung auseinander und lieferte wertvolle Erkenntnisse für zukünftige gesetzliche Rahmenbedingungen. Darüber hinaus wurden Empfehlungen zur Weiterentwicklung europäischer Richtlinien (z. B. RED III) erarbeitet, um die Integration von Abwärme in das erneuerbare Energiesystem zu erleichtern und einen klareren rechtlichen Rahmen für deren Nutzung zu schaffen.

5. Kooperative Geschäftsmodelle

Ein weiteres zentrales Ergebnis des Projekts war die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für die Kooperation im Bereich industrieller Abwärme. Durch die Einbindung relevanter Stakeholder und die adressierten Herausforderungen bei der Koordination mehrerer Akteur*innen wurde eine Grundlage für nachhaltige, langfristige Geschäftsmodelle geschaffen, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Abwärmenutzung unterstützen.

Die Zukunft von Heat Highway

Die im Projekt Heat Highway entwickelten Erkenntnisse und Werkzeuge finden bereits Anwendung über das Projekt hinaus. Die Ergebnisse sind nicht nur für Österreich von Relevanz, sondern werden europaweit verbreitet, um die Replikation erfolgreicher Systeme in anderen Regionen zu unterstützen. Durch die Weiterentwicklung von Forschung und Optimierung zielt Heat Highway darauf ab, skalierbare Lösungen für Industrieregionen weltweit bereitzustellen, CO₂-Emissionen zu reduzieren und den globalen Übergang zu nachhaltigen Energiesystemen zu unterstützen.

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse und Erfolge werden zudem im Folgeprojekt Future Heat Highway weitergeführt. Dieses baut auf den Ergebnissen von Heat Highway auf und nutzt die gewonnenen Einsichten, um die Integration industrieller Abwärme in Fernwärmesysteme weiter voranzutreiben und den Übergang zu einer dekarbonisierten Energiezukunft zu beschleunigen.

Im Rahmen der laufenden Disseminationsaktivitäten wird das Projekt weiterhin das Potenzial industrieller Abwärme durch Publikationen, Demonstrationen und Stakeholder-Veranstaltungen sichtbar machen. Mit seinem Fokus auf Innovation, Kooperation und systemische Integration leistet Heat Highway weiterhin einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen, dekarbonisierten Energiezukunft.

Weitere Details zu den Projektergebnissen und dem Abschlussbericht finden sich im offiziellen Heat Highway Final Report (auf Englisch) sowie in kommenden wissenschaftlichen Publikationen.

Projektpartner

Das Projekt Heat Highway wurde von einem breiten Konsortium aus Industrie- und Forschungseinrichtungen umgesetzt, darunter:

Heat Highway ist ein beispielgebendes Projekt, das das Potenzial industrieller Abwärme als zentralen Baustein der Transformation hin zu einer klimaneutralen Zukunft aufzeigt. Durch seine erfolgreiche Umsetzung bietet es ein skalierbares Modell zur Anbindung von Abwärmequellen an Fernwärmenetze und legt damit die Grundlage für vergleichbare Projekte auf internationaler Ebene.