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Der NEFI Technology Talk am 2. Juni 2026 zeigte deutlich: Die Elektrifizierung von Industrieöfen ist technologisch bereits in vielen Bereichen umsetzbar, steht jedoch weiterhin vor infrastrukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Insgesamt nahmen 45 Expertinnen und Experten aus Industrie, Forschung und Technologieentwicklung teil.
Bereits die einleitende Umfrage verdeutlichte das hohe fachliche Niveau sowie die Vielfalt der Perspektiven entlang der industriellen Wertschöpfungskette – von Industrieunternehmen über Technologieanbieter bis hin zu Forschungseinrichtungen.
In ihrer Keynote ordnete Veronika Wilk (AIT) die Elektrifizierung industrieller Hochtemperatur-Prozesswärme im nationalen und internationalen Kontext ein. Deutlich wurde, dass Prozesswärme über 200 °C einen wesentlichen Anteil des industriellen Energiebedarfs ausmacht und derzeit noch überwiegend fossil bereitgestellt wird.
Das Innovationsnetzwerk NEFI bietet einen strukturierten Rahmen, um diese Transformation gezielt voranzutreiben. Mit einem wachsenden Projektportfolio und einem breiten Partnernetzwerk verfolgt NEFI das Ziel, die Umsetzung einer klimaneutralen Industrie in Österreich bis 2040 zu unterstützen. Im Fokus stehen u. a. Elektrifizierung, Energieeffizienz sowie die Integration erneuerbarer Energien in industrielle Prozesse.
Ein zentrales Praxisbeispiel war das NEFI-Projekt GreenBricks, vorgestellt von René Pesendorfer (Wienerberger). Am Standort Uttendorf wurde der weltweit erste vollelektrische Tunnelofen für die Ziegelproduktion realisiert. Ergänzt wird das Konzept durch den Einsatz von Wärmepumpen im vorgelagerten Trocknungsprozess.
Das Projekt verdeutlicht, dass eine weitgehende Dekarbonisierung industrieller Wärmeprozesse technisch bereits möglich ist und gleichzeitig signifikante Energieeinsparungen erzielt werden können. Gleichzeitig wurden Herausforderungen sichtbar, insbesondere im Hinblick auf die Verfügbarkeit elektrischer Infrastruktur, die Entwicklung der Strompreise sowie die Lebensdauer zentraler Anlagenkomponenten.
Mit dem NEFI-Projekt GreenSteel präsentierte Christoph Zauner (AIT) einen systemischen Ansatz zur Elektrifizierung der Stahlverarbeitung. Dabei wurde deutlich, dass industrielle Transformation weit über einzelne Anlagen hinausgeht und das gesamte Energiesystem umfasst.
Die Analysen zeigen, dass durch Elektrifizierung und Effizienzmaßnahmen substanzielle Mengen fossiler Energie ersetzt werden können. Gleichzeitig erfordert dieser Transformationsprozess umfassende Anpassungen in den Bereichen Stromversorgung, Netzinfrastruktur und Energiespeicherung. Ergänzend wurden alternative Transformationspfade, insbesondere der Einsatz von Wasserstoff, eingeordnet.
Diese systemische Perspektive wurde im weiteren Verlauf durch konkrete technologische Lösungsansätze ergänzt.
Im technologischen Teil des Technology Talks wurden verschiedene Ansätze zur Elektrifizierung von Hochtemperaturprozessen vorgestellt.
Ivan Gonzalez Jimenez (Siemens Energy) präsentierte unter dem Titel Decarbonisation of Heat and Energy Efficiency in Steel Industry Lösungen zur elektrischen Beheizung industrieller Anwendungen sowie zur Steigerung der Energieeffizienz in der Stahlindustrie. Besonders hervorgehoben wurde das kurzfristig realisierbare Potenzial der Abwärmeintegration zur Steigerung der Energieeffizienz.
Ergänzend wurde die Plasmatechnologie als vielversprechender Ansatz für Hochtemperaturanwendungen vorgestellt. Werner Wiggen (TPS) zeigte in seinem Beitrag Plasmabrenner zur Dekarbonisierung von Industrieprozessen, dass diese Technologie sehr hohe Prozesstemperaturen ermöglicht und neue Einsatzfelder dort eröffnet, wo konventionelle elektrische Heizsysteme an physikalische Grenzen stoßen. Erste Demonstrationsanwendungen befinden sich bereits in Entwicklung und sollen künftig unter realen industriellen Bedingungen weiter erprobt werden.
In der abschließenden Diskussion wurde die zentrale Rolle der Elektrifizierung für die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien nochmals hervorgehoben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Skalierung stark von den Rahmenbedingungen abhängt.
Als wesentliche Erfolgsfaktoren wurden insbesondere wettbewerbsfähige Strompreise, eine leistungsfähige Netzinfrastruktur, technologisch ausgereifte und langlebige Anlagen sowie stabile politische und regulatorische Rahmenbedingungen identifiziert. Zudem wurde betont, dass Pilot- und Demonstrationsprojekte eine Schlüsselrolle spielen, um technologische Risiken zu reduzieren und konkrete Umsetzungserfahrungen zu sammeln.
Auch im europäischen Kontext ist Österreich im Bereich Forschung und Demonstration gut positioniert. Für die breite industrielle Umsetzung gewinnen jedoch Standortfaktoren wie Energiepreise, Netzinfrastruktur und Versorgungssicherheit zunehmend an Bedeutung.
Der Technology Talk hat gezeigt, dass die Elektrifizierung von Industrieöfen in vielen Bereichen bereits Realität ist. Die zentrale Herausforderung liegt nun darin, bestehende Lösungen zu skalieren und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Umsetzung im industriellen Maßstab zu schaffen. Technologische Innovation und energiepolitische Weichenstellungen müssen dabei eng zusammenwirken.