Die Transformation der Industrie in Richtung Klimaneutralität und Ressourceneffizienz erfordert neue Formen der Zusammenarbeit. Industrielle Symbiosen bieten hier einen vielversprechenden Ansatz: Durch die gezielte Vernetzung von Betrieben können Energie- und Stoffströme effizienter genutzt, Emissionen reduziert und die Resilienz von Industriestandorten gestärkt werden. Der NEFI Technology Talk zum Thema „Industrielle Symbiosen“ widmete sich diesen Fragestellungen und brachte Vertreter*innen aus Industrie, Forschung und regionalen Initiativen in einen intensiven Austausch.
Nach dem gemeinsamen Get Together eröffneten Christian Kapfenberger (Siemens Energy) und Wolfgang Gruber-Glatzl (AEE INTEC) die Veranstaltung. Dabei wurde der neue Standort der Siemens Energy mit innovativen Konzepten zur Energieversorgung vorgestellt. Zudem wurde im Rahmen der Vorstellung des Innovationsnetzwerk NEFI – New Energy for Industry sowie des Innovation Hubs „Industrielle Symbiose“ deutlich, dass NEFI als innovationsgetriebenes Netzwerk eine zentrale Rolle bei der Entwicklung kooperativer Lösungsansätze für eine klimafreundliche Industrie einnimmt.
Die Veranstaltung wurde von den Hub-Co-Leads Wolfgang Gruber-Glatzl und Kerstin Pfleger-Schopf (MUL) organisiert und bot einen klar strukturierten Rahmen für Wissenstransfer und Diskussion. Einen wichtigen strategischen Impuls setzte anschließend Claire Cance (Klima- und Energiefonds) mit der Vorstellung der FTI-Initiative für die Transformation der Industrie. Ihr Beitrag zeigte konkrete Fördermöglichkeiten auf und bot Raum zur Klärung praxisnaher Fragen zu geplanten Projekteinreichungen.
Die Best-Practice-Vorträge gaben einen umfassenden Überblick über internationale Entwicklungen und regionale Umsetzungsbeispiele industrieller Symbiosen.
Kerstin Pfleger-Schopf (MUL) stellte aktuelle Ergebnisse aus dem EU-Projekt „IS2H4C – From Industrial Symbiosis to Hubs for Circularity“ vor. Anhand konkreter Beispiele wurde aufgezeigt, welche Symbiosepfade bereits realisiert werden und welche Rolle Systemintegration und Demand Side Management als zentrale Hebel für resiliente und wettbewerbsfähige Industriestandorte spielen.
Simon Moser (Energieinstitut an der JKU Linz) beleuchtete industrielle Symbiose aus internationaler Perspektive. Sein Vortrag unterstrich die Bedeutung von Kooperation als entscheidenden Erfolgsfaktor. Viele Herausforderungen bei der Umsetzung industrieller Symbiosen können nur gemeinschaftlich gelöst werden – ein Aspekt, der bei Standortentwicklungen bislang häufig noch zu wenig berücksichtigt wird.
Ein besonders anschauliches regionales Beispiel präsentierten Günther Maier (Energiezukufnt WEIZplus) und Joachim Kelz (AEE INTEC) mit der Initiative EnergieZukunft WEIZplus. Der interkommunale Wärmeverbund und die Energiegemeinschaften zeigen, wie Symbiose in der Praxis gelebt werden kann. Die Einbindung zahlreicher Akteur*innen schafft ein starkes regionales Netzwerk, eröffnet neue Chancen für den Energieaustausch und verdeutlicht zugleich die organisatorischen und technischen Herausforderungen.
Im Zentrum der interaktiven Workshop-Session stand das Screening von industriell-urbaner Symbiosepfaden in der Region. Gemeinsam identifizierten die teilnehmenden Unternehmen potenzielle Quellen und Senken für Energie- und Stoffströme. Speziell vorbereitete Opportunity Cards unterstützten die strukturierte Bewertung möglicher Symbiosepfade und halfen, deren technische und wirtschaftliche Machbarkeit besser einzuschätzen.
Besonders positiv: Bereits während des Workshops konnten konkrete Ansätze für neue Symbiosepfade identifiziert werden, die in weiterführenden Follow-up-Terminen vertieft werden sollen. Der Workshop zeigte, dass ein gemeinsamer Diskurs unterstützt durch strukturierte Methoden den Übergang von der Idee zur praktischen Umsetzung beschleunigen können.
Der NEFI Technology Talk machte deutlich, dass industrielle Symbiosen durch enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschung und öffentlichen Akteur*innen erfolgreich initialisiert werden können. Strategische Erfolgsfaktoren sind dabei hochwertige Daten, systemische Planungsansätze und - insbesondere bei energiebasierten Symbiosen - integrierte Demand Side Management Konzepte.
NEFI bietet hierfür eine zentrale Plattform, um Wissen zu bündeln, Kooperationen zu fördern und gemeinsam konkrete Umsetzungsschritte zu setzen. Die Veranstaltung zeigte, dass industrielle Symbiosen ein wesentlicher Baustein für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Industrie von morgen sind.